Das kann doch auch eine KI übersetzen!
Warum Leichte Sprache mehr ist als ein Knopfdruck
Künstliche Intelligenz kann heute erstaunlich viel. Sie schreibt Texte, fasst Inhalte zusammen, schlägt Formulierungen vor und kann komplizierte Sätze vereinfachen.
Da liegt die Frage nahe:
Kann ich meine Texte nicht durch eine KI in Leichte Sprache übersetzen lassen?
Die ehrliche Antwort lautet:
Sie kann unterstützen. Aber sie ersetzt keine fachgerechte Übersetzung in Leichte Sprache.
Denn Leichte Sprache ist nicht einfach nur eine vereinfachte Version eines schweren Textes. Leichte Sprache folgt klaren Regeln. Sie braucht Fachwissen, Erfahrung, ein gutes Sprachgefühl und vor allem den Blick auf die Menschen, für die der Text geschrieben wird.
KI kann Sprache vereinfachen. Aber versteht sie auch den Inhalt?
Eine KI kann Sätze kürzen. Sie kann Fremdwörter ersetzen. Sie kann einen Text freundlicher oder einfacher formulieren. Das kann hilfreich sein.
Aber eine gute Übersetzung in Leichte Sprache beginnt nicht erst beim Schreiben. Sie beginnt mit wichtigen Fragen:
- Wer soll den Text lesen?
- Was sollen die Menschen nach dem Lesen wissen?
- Müssen sie eine Entscheidung treffen?
- Geht es um Rechte, Pflichten, Fristen, Gesundheit, Geld oder einen Antrag?
- Welche Begriffe müssen erhalten bleiben?
- Welche Begriffe müssen erklärt werden?
- Welche Informationen sind wirklich wichtig?

Diese Fragen kann eine KI oft nicht zuverlässig aus sich heraus beantworten.
Gerade bei Texten von Behörden, öffentlichen Stellen, Kanzleien, sozialen Einrichtungen oder Unternehmen kommt es nicht nur auf einfache Wörter an. Der Inhalt muss auch richtig bleiben.
Ein rechtlicher Hinweis darf nicht freundlich klingen, aber dabei ungenau werden. Eine Information über Leistungen, Fristen oder Anträge darf nicht so stark verkürzt werden, dass wichtige Rechte oder Pflichten verloren gehen.
Leichte Sprache braucht deshalb nicht nur sprachliche Vereinfachung.
Leichte Sprache braucht Verantwortung.
Leichte Sprache ist keine Wort-für-Wort-Übersetzung
Viele Menschen stellen sich Übersetzung so vor:
Ein schwerer Satz kommt hinein.
Ein leichter Satz kommt heraus.
So funktioniert Leichte Sprache aber nicht.
Ein Text in Leichter Sprache wird häufig neu aufgebaut. Informationen werden sortiert. Lange Gedankengänge werden in kleine Schritte aufgeteilt. Schwierige Begriffe werden erklärt. Manchmal braucht es Beispiele. Manchmal braucht es Bilder. Und manchmal zeigt sich erst im Gespräch, was mit einem Text wirklich gemeint ist.
Ein Beispiel:
„Die Antragstellung hat unter Beifügung der erforderlichen Nachweise innerhalb der genannten Frist zu erfolgen.“
Daraus kann in Leichter Sprache zum Beispiel werden:
Sie möchten einen Antrag stellen?
Dann müssen Sie Unterlagen mitschicken.
Zum Beispiel eine Bescheinigung.
Im Brief steht:
Bis zu welchem Datum müssen Sie den Antrag schicken.
Das ist keine reine Übersetzung einzelner Wörter.
Das ist eine inhaltliche Übertragung.
Dabei muss entschieden werden:
- Was ist die wichtigste Aussage?
- Was muss erklärt werden?
- Welche Information darf nicht fehlen?
- Welche Reihenfolge hilft den Lesern?
- Wo braucht es ein Beispiel?
Diese Entscheidungen erfordern Erfahrung.

Warum KI-Texte oft gut klingen, aber trotzdem nicht ausreichen
KI-Texte wirken auf den ersten Blick oft überzeugend. Sie sind flüssig, freundlich und gut lesbar. Genau darin liegt aber auch ein Risiko. Denn ein Text kann einfach klingen und trotzdem keine Leichte Sprache sein.
Häufige Probleme bei KI-Texten sind:
Der Text ist zu allgemein.
Die Formulierungen klingen gut, beantworten aber nicht unbedingt die konkreten Fragen der Zielgruppe.
Wichtige Informationen gehen verloren.
Manchmal werden Bedingungen, Fristen, Ausnahmen oder rechtliche Hinweise zu stark vereinfacht.
Die Reihenfolge bleibt ungünstig.
Der Ausgangstext wird oft in der vorgegebenen Reihenfolge übertragen. Für eine gute Verständlichkeit müssen Inhalte aber manchmal neu geordnet werden.
Fachbegriffe werden ungenau erklärt.
Eine Erklärung kann plausibel klingen und trotzdem im konkreten Zusammenhang falsch sein.
Die Sprache ist nicht konsequent leicht.
Leichte Sprache bedeutet nicht nur kurze Sätze. Es geht auch um Struktur, Wortwahl, Wiederholungen, Beispiele, Gestaltung und Verständlichkeit.
Die Prüfung durch echte Menschen fehlt.
Ob ein Text wirklich verstanden wird, zeigt sich nicht am Bildschirm. Es zeigt sich, wenn Menschen aus der Zielgruppe den Text lesen und Rückmeldung geben.
Der entscheidende Unterschied: menschliche Erfahrung
Eine gute Übersetzung in Leichte Sprache braucht mehr als eine gute Software.
Sie braucht jemanden, der nachfragt.
Jemanden, der den Ausgangstext versteht.
Jemanden, der erkennt, welche Informationen für die Zielgruppe wichtig sind.
Jemanden, der schwierige Inhalte nicht nur kürzt, sondern verständlich erklärt.
Und sie braucht Menschen, die prüfen:
- Ist der Text wirklich verständlich?
- Sind die Beispiele hilfreich?
- Ist die Reihenfolge logisch?
- Fehlen wichtige Informationen?
- Gibt es Wörter, die noch zu schwer sind?
Leichte Sprache wird nicht für Maschinen geschrieben.
Sie wird für Menschen geschrieben.
Beratung gehört zur Übersetzung dazu
Bei einer Übersetzung in Leichte Sprache geht es nicht nur um Worte. Es geht um Kommunikation. Deshalb ist der Austausch mit dem Auftraggeber so wichtig.
Ein früher offener Dialog ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Übersetzung. Nur so kann ich Ihre Vorstellungen wirklich verstehen und umsetzen.
Im Gespräch klären wir zum Beispiel:
- Welche Zielgruppe möchten Sie erreichen?
- Soll der Text informieren, erklären oder zu einer Handlung führen?
- Gibt es rechtliche Vorgaben?
- Muss ein bestimmter Begriff erhalten bleiben?
- Soll der Text auf eine Webseite, in einen Flyer oder in ein Formular?
- Werden Bilder oder Symbole benötigt?
- Ist eine Prüfung durch eine Prüfgruppe gewünscht?
Diese Fragen machen den Unterschied zwischen einem automatisch vereinfachten Text und einer professionellen Übersetzung in Leichte Sprache.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt das besonders gut:
Für einen Verein habe ich einen Flyer zu einer Hofveranstaltung in Leichte Sprache übertragen. Der Verein bietet Tagesangebote auf einem Bauernhof für Menschen mit Unterstützungsbedarf an. Bei diesem Flyer ging es nicht nur um verständliche Informationen. Der Text sollte auch einladend klingen und die besondere Atmosphäre des Angebots vermitteln.
Die Rückmeldung des Auftraggebers hat genau diesen Punkt aufgegriffen:
„Wir hatten sofort das Gefühl: So soll unser Flyer klingen. Die Übersetzung war klar, herzlich und genau auf die Menschen abgestimmt, die wir mit unserer Hofveranstaltung erreichen möchten.“
Genau darum geht es bei einer guten Übersetzung in Leichte Sprache: Der Text soll verständlich sein. Aber er soll auch zur Situation, zur Zielgruppe und zur Botschaft des Auftraggebers passen.
Wo KI trotzdem hilfreich sein kann
KI ist nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Sie kann ein nützliches Werkzeug sein.
KI kann helfen,
- erste Ideen zu sammeln,
- lange Texte grob zu strukturieren,
- schwierige Begriffe sichtbar zu machen,
- Varianten für Überschriften zu entwickeln,
- einen Text auf Verständlichkeit zu prüfen.
Aber das Ergebnis muss fachlich geprüft, überarbeitet und auf die Zielgruppe abgestimmt werden.
KI kann ein Werkzeug sein. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.
Warum professionelle Übersetzung Sicherheit gibt
Ich habe einen zertifizierten Übersetzerlehrgang für Leichte Sprache beim Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Hamburg erfolgreich abgeschlossen.
Für Sie bedeutet das:
- Sie erhalten keine bloße Vereinfachung auf Knopfdruck.
- Sie erhalten eine fachgerecht erarbeitete Übersetzung.
- Nach anerkannten Regeln.
- Mit Blick auf Ihre Zielgruppe.
- Mit Erfahrung in klarer, präziser und verständlicher Kommunikation.
Besonders bei Texten von Behörden, öffentlichen Stellen, Kanzleien, sozialen Einrichtungen oder Unternehmen ist diese Sicherheit wichtig. Denn hier geht es oft um Inhalte, die korrekt und verständlich zugleich sein müssen.
Als Juristin mit über 20 Jahren Berufserfahrung kenne ich außerdem die Anforderungen an rechtliche und behördliche Texte sehr gut. Ich weiß, dass solche Texte nicht beliebig vereinfacht werden dürfen. Sie müssen verständlich werden, ohne ihren Sinn zu verlieren.

Fazit:
Ja, KI kann Texte vereinfachen.
Aber Leichte Sprache braucht Menschen. Sie ist mehr als eine technische Übung. Sie ist eine fachliche, sprachliche und kommunikative Aufgabe.
Eine gute Übersetzung in Leichte Sprache braucht klare Regeln, sprachliches Können, Verständnis für die Zielgruppe, fachliche Genauigkeit, persönliche Abstimmung, menschliche Prüfung und Erfahrung.
Oder kurz gesagt:
KI kann einen Entwurf liefern.
Verständlichkeit entsteht durch Menschen.
Sie möchten wissen, ob Ihr Text für Leichte Sprache geeignet ist? Oder ob Einfache Sprache vielleicht ausreicht?
Dann sprechen Sie mich gerne an. Gemeinsam finden wir in einem unverbindlichen Beratungsgespräch heraus, welche Lösung zu Ihrem Text, Ihrer Zielgruppe und Ihrem Projekt passt.
